Wie das EU-Türkei-Abkommen unser Projekt beeinflusst hat

Die vergangenen Wochen waren eine eher verzweifelte Zeit für uns. Das Abkommen der EU mit der Türkei hat alles drastisch verändert. Trotz der vorübergehenden Lösung, die am 18. März 2016 von 28 EU-Staaten beim EU-Krisengipfel zusammen mit der Türkei beschlossen wurde, gerät die Situation langsam aber sicher ausser Kontrolle. Das Flüchtlingscamp an der geschlossenen griechisch-mazedonischen Grenze ist zu einem Slum geworden und Unruhen und Gewalt brechen vermehrt aus. Auf Lesbos sind keine freiwilligen Helfer mehr erlaubt.
Flüchtlinge, die aus der Türkei auf den Ägäis-Inseln Zuflucht suchen, werden zurück in die Türkei geschickt. Im Gegenzug nimmt Europa für jeden zurückgesendeten Flüchtling einen anderen bei sich auf. Diejenigen, die nach Europa dürfen, werden nach ihrer Syrische Nationalität und der Gültigkeit ihres Passes ausgewählt. Was nach einem sinnvollen Lösungsansatz aussieht, und momentan tatsächlich auch die einzige Lösung scheint, ist wahrscheinlich vor allem eine Verschiebung des Problems in die Türkei.

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Bild: Florenz Schaffner

Es wirft sich auch die Frage auf, ob das Abkommen rechtlich und moralisch vertretbar ist. Die Afghanen sind keine offiziellen Flüchtlinge, weil die Bedrohung der Taliban weniger gefährlich ist, als der Krieg, der in Syrien wütet.
Auch wird rege darüber diskutiert, ob die Türkei tatsächlich als „sicheres Herkunftsland“ angesehen werden darf. Es wird sogar gesagt, dass Syrer von der Türkei nach Syrien zurückgeschickt wurden. Dies ist, sofern es der Wahrheit entspricht, unmenschlich und gegen das Völkerrecht.

Kurz gesagt: Die Situation verschlimmert sich und wir finden und finden keine Lösung.

Für unser Projekt scheint dieses politische Abkommen auf den ersten Blick eher unwichtig. Plan A war allerdings, nach Lesbos zu reisen, um über unsere Erfahrungen als freiwillige Helfer berichten zu können. Darauf hatte das EU-Türkei-Abkommen einen enormen Einfluss. Wir hatten unsere Flüge bereits gebucht und als wir erfuhren, dass sie die freiwilligen Helfer von Lesbos abschieben, haben wir verzweifelt versucht, eine Lösung an der griechischen Grenze, in Idomeni, zu finden. Aber auch dort geriet die Situation immer mehr ausser Kontrolle. Die Menschen begannen zu protestieren und Unruhen brachen aus. Es wurde zu gefährlich. Einige Organisationen zogen bereits ihre Helfer vom Geschehen zurück und wir konnten keine passende Kontaktperson finden, was in solchem Fall matchentscheidend ist.
Schlussendlich haben wir uns entschieden, in Athen zu bleiben und das Beste aus der Situation zu machen. Wir haben nun eine tolle Kontaktperson, Christine, gefunden und wir sind uns sicher, dass Athen die beste und vor allem sicherste Entscheidung war.

Wir sind jetzt daran, die letzten Vorbereitungen für unseren Trip zu treffen und werden euch in den nächsten Tagen aus Athen auf dem Laufenden halten.
Wir hoffen, dass in naher Zukunft eine gute und moralisch vertretbare Lösung gefunden wird. Ein Genie wir es wohl schon herausfinden.

Alles Liebe,

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Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/eu-gipfel-227.html

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