PASSENGERS WAITING

Seit ca. 6 Monaten leben zahlreiche Flüchtlinge im Hafen von Piräus. Das Hellenische Rote Kreuz ist die einzige offizielle Organisation, die vor Ort Hilfe leistet. Einige weitere freiwillige Helfer versuchen die Menschen dort zu unterstützen. Soweit wir wissen, ist das Flüchtlingslager von Piräus kein offizielles. Wir vermuten, dass deswegen nur wenig Hilfe vorhanden ist.

Mit der Absicht einige Kleider zu verteilen, fuhren wir am Sonntag mit der Metro zum Hafen von Piräus. Wir irrten lange im Hafengelände umher. Nirgendwo war ein Anzeichen auf das Lager zu erkennen. Als wir uns bei jemandem danach erkundigten, wurde uns gesagt, es sei komplett geräumt worden. Wir konnten diese Information jedoch nicht einfach so hinnehmen, denn wir sahen immer wieder Menschen von östlicher Herkunft aus derselben Richtung kommen. Sie grüssten uns stets sehr offen und freundlich, was wir bereits bei den Flüchtlingen in Elliniko beobachtet hatten. Schlussendlich beschlossen wir, einem Jungen zu folgen. Er führte uns an den Anfang des Zeltlagers. Zwei Polizisten verlangten nach seinen Papieren, welche er nicht vorweisen konnte. Uns beachteten die Beamten kaum.

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Die Zelte standen auf dem Teer in der prallen Sonne, von alten Fabrikgebäuden und Hafenanlagen verborgen. Die Stimmung war anders als in Elliniko: Viele Zelte waren eng aneinander aufgereiht, und doch wirkte es wie ausgestorben.
Die Menschen schienen auf etwas zu warten, auf eine Veränderung, eine Zukunft, die keine Hoffnung mit sich bringt.
Jeden Tag kommen Busse, um die Menschen wegzubringen. Niemand weiss genau wohin. Dies bestätigte uns Carlos aus Guinea Ecuadorial, mit dem wir uns unterhielten.
Ironischerweise sassen sie auf einer Bank, über der ein Schild mit „passengers waiting“ hing.
Jemand anderes erzählte uns, dass die Situation in Piräus sehr schlecht sei: Sie haben weder Kleider noch Essen.

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Wir mit Carlos

„Ahora lo unico que necesitamos es suerte o que dios nos ayude.”
– Carlos

Übersetzt heisst das:
“Das Einzige, das uns jetzt noch helfen kann, ist Glück oder Gottes Hilfe.”

Die Atmosphäre war bedrückt, die Situation, in der sich die Flüchtlinge befanden, war trost- und hoffnungslos. Es wirkte so, als ob die Flüchtlinge vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen werden würden. Das Lager wird geräumt, weil bald die Touristensaison beginnt.

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Einen Tag später gingen wir zurück. Ein Grossteil des Lagers war bereits geräumt worden. Das Zelt einer Familie, die wir am Vortrag noch gesehen hatten, war verschwunden. Es hatte sich ein Loch inmitten der Zelte gebildet.
Die letzten Menschen warten noch darauf abgeholt zu werden, auch sie sind „passengers waiting“.

Gott beschütze euch und viel Glück,

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