Fakten zur “Flüchtlingskrise”

Das Wort “Flüchtlingskrise” hat in den letzten Monaten in unserem Alltag einen enorm hohen Stellenwert gewonnen, tagtäglich wird darüber diskutiert und spekuliert. Es fehlt uns an Lösungen und wir schwimmen in Hilflosigkeit. Trotzdem scheint jeder zu wissen, wo das Problem liegt und bei wem die Schuld zu suchen ist. Wir sind der Meinung, dass das, woran es uns primär mangelt, vor allem Fakten sind. Um sich eine Meinung über das Thema machen zu können, sollte man ausreichend informiert sein. Dieser Blogbeitrag dient dazu, euch einige Zahlen und Statistiken zu veranschaulichen, um euch eine gewisse Grössenordnung „der Krise“ zu geben.

Wenn man von der „Flüchtlingskrise“ spricht, sollte man zuerst die beiden Begriffe, aus denen das Wort besteht, definieren:

  • Eine „Krise“ wird durch Instabilität und Unsicherheit gekennzeichnet und wird dazu verwendet, eine politische, soziale oder wirtschaftliche Entwicklung zu beschreiben, die meistens in einer grösseren Veränderung resultiert.
  • Als „Flüchtling“ wird ein Mensch bezeichnet, der vor lebensgefährlicher Bedrohung oder wirtschaftlicher Not flieht. Sobald der Flüchtling ein Land erreicht, das ihm Schutz und Sicherheit gewähren kann und er trotzdem weiterreist, verliert er den Flüchtlingsstatus und wird zum Migrant.

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Herkunfsstaaten der Flüchtlinge. (Statistik von UNHCR Mid Year Trends 2015, Seite 6
„Flüchtlingskrisen“ hat es schon immer gegeben, pflegt man zu sagen. Doch die Flüchtlingsbewegung der Jahre 2014, 2015 und laut Spekulationen auch 2016 „hat es in diesem Ausmass seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben“.

Laut UNHCR waren im Jahr 2014 etwa 4 Prozent der Weltbevölkerung auf der Flucht vor Konflikten und Verfolgung. 59.5 Millionen Flüchtlinge wurden weltweit registriert. Davon suchen 19.5 Millionen ausserhalb ihres Herkunftsstaates nach Schutz. 53% davon kommt aus Syrien, Afghanistan und Somalia. 38.2 Millionen aller Flüchtlinge sind Binnenflüchtlinge, das heisst Menschen, die innerhalb ihres eigenen Landes auf der Flucht sind.
Wer in dem ganzen Trubel um die Flüchtlingswelle meistens etwas untergeht, sind diejenigen Länder, die am meisten Flüchtlinge bei sich aufnehmen. Dies sind nicht etwas Deutschland oder Schweden sondern die Türkei, Pakistan, Libanon, der Iran, Äthiopien und der Jordan. Länder, denen es selber keineswegs enorm gut geht oder die als stabile Staaten zu bezeichnen sind. Fast alle Flüchtlinge weltweit (86%) werden von Entwicklungsländern beherbergt.

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                                                          Diese Staaten beherbergen am meisten Flüchtlinge.                                                          (Grafik von UNHCR Mid Years Trends 2015, Seite 5)

Im Jahr 2014 wurden jeden Tag durchschnittlich 42’500 Menschen zu Flüchtlingen. 51% der Flüchtlinge sind Kinder. Viele von ihnen reisen alleine, ohne Elternteil oder erziehungsberechtigte Person. Im Jahr 2014 stellten insgesamt 34‘300 unbegleitete Minderjährige in insgesamt 82 Ländern einen Antrag auf Asyl. Dies ist die höchste Zahl innerhalb der letzten 10 Jahre. In der Schweiz machten die UMA beinahe 7% aller Asylsuchenden aus. Trotzdem, dass Kinder spezielle Rechte auf Schutz und Sicherheit haben, werden die UMA häufig übersehen, ihre individuellen Bedürfnisse unzureichend wahrgenommen.

Zwei Drittel von ihnen sind 16 oder 17 Jahre alt, nicht viel jünger als wir. Ihre Situation ist für uns unvorstellbar. Deswegen wollen wir ihnen zuhören, ihre Geschichten aufschreiben und auf sie aufmerksam machen.

Alles Liebe,

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Beitragsbild: ©imago/ ZUMA Press

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