Innovation und Solidarität: “Leben und Lernen”

Wir stehen vor dem Silo 2 in Aarau. Im Hintergrund ist das KiFF. Wir sind unschlüssig, ob wir hier wirklich am richtigen Ort gelandet sind. Zögernd steigen wir die Treppe in den zweiten Stock hoch. Wir blicken nun durch den Türrahmen in einen improvisiert eingerichteten Raum. Als uns ein Mädchen in unserem Alter neugierig die Hand hinstreckt, wissen wir, dass wir hier richtig sind. Einer der Zuständigen begrüsst uns und lädt uns in das Büro, das zugleich auch als Abstellkammer dient, ein. Dort klärt er und kurz über die momentante Situation auf:

Vor einem halben Jahr wurden dem Kanton Aargau zwischen 120 – 150 UMAs vom Bund zugeteilt. Diese sind zum einen in der Südallee und zum anderen in der WUMA untergebracht. Die Schweiz hat sich mit der Unterschrift der UN-Menschenrechtskonvention dazu verpflichtet, schutzbedürftigen Minderjährigen speziellen Schutz und Unterstützung zu gewähren. Der Bund gibt zwar die Empfehlung ab, spezielles Augenmerk auf Minderjährige zu legen, legt allerdings nicht fest, inwiefern dies geschehen muss. Dadurch dass die Schulpflicht bzw. das Recht auf Schule in der Schweiz mit 16 Jahren endet, führt dies vorwiegend zu Problemen mit Jugendlichen. Kinder unter 16 Jahren sind schulpflichtig und werden auf s.g. RIZ (Regionale Integrationszentren) verteilt, bevor sie bereit sind für die Einschulung. 16 bis 18-Jährigen, welche diese Möglichkeit nicht haben, fehlt es allerdings an Tagesstruktur.

vereinnetzwerkasyl
Der Verein Netzwerk Asyl war der Meinung, dass sich dies ändern muss. So startete vor ungefähr einem Jahr das Pilotprojekt “Projekt UMA – Leben und Lernen”. Es wird nicht vom Kanton finanziert. Bis auf zwei Teilzeitangestellte funktioniert dieses Netzwerk dank zahlreichen Freiwilligen. Am “Projekt UMA – Leben und Lernen” sind 40 UMA beteiligt. Verschieden Freiwillige, u.a. pensionierte Lehrer, unterrichten die UMA in Deutsch und Mathematik bis hin zu Zeichnen, Werken und Alltagswissen, wie Pflanzen, Abfalltrennung und Kochen. Neben klaren “Ämtliplänen” haben die Jugendlichen auch die Möglichkeit an Ausflügen teilzunehemen und so unsere Kultur und Traditionen besser kennenzulernen.

Leise betreten wir ein kleines Klassenzimmer. Dort unterrichtet gerade ein zukünftiger PH-Student 8 Schüler und Schülerinnen in Deutsch. Sie lernen, über ihre Hobbies zu sprechen und Tiere zu benennen. Die Stimmung ist fröhlich, die Schüler sind motiviert und unterstützen sich gegenseitig. Trotzdem lässt nach der letzten Übung, einem Diktat, die Konzentration nach. Man verabschiedet sich voneinander, schüttelt sich vor dem Gehen freundschaftlich die Hand. Wir sagten zwar nicht “bis morgen”, aber wie freuen uns auf das Wiedersehen am Donnerstag!

lebenundlernen1

Alles Liebe,

cropped-jillarab.jpg

http://www.netzwerkasyl.ch

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