Egal was wir vorgeben zu glauben

 

Afghanistan wird zwar nicht als sicherer Herkunftsstaat anerkannt, doch Menschen aus Afghanistan werden dennoch viel häufiger abgeschoben als beispielsweise Syrer. Die Menschen dort befinden sich nicht unmittelbar im Krieg , so wie es die Syrer tun.

Trotzdem herrscht in Afghanistan bereits seit vielen Jahrzehnten Krieg, Unterdrückung und Chaos.
Mehr als eine Million Menschen wurden in Kriegen und Konflikten getötet.
In den vergangenen 30 Jahren wurde die Hälfte der Bevölkerung aus dem Land vertrieben.

So ging es auch einem jungen Flüchtling aus Afghanistan, mit dem wir uns kürzlich unterhalten haben.
Während dem Kalten Krieg wurden von den USA und der Sowjetunion mehrere Stellvertreterkriege gefochten. Zu diesen gehörte auch Afghanistan. 1979 kam die Sowjetunion den afghanischen Kommunisten während dem Kalten Krieg zu Hilfe. Durch die Einmischung der sowjetischen Truppen wurde die Auseinandersetzung zu einer internationalen Angelegenheit.
Als sich die sowjetischen Truppen nach zehn Jahren aus Afghanistan zurückzogen, folgte ein Machtvakuum. Zu dieser Zeit gründeten sich die Taliban, ursprünglich eine regionale Bürgerwehr. Die Rebellengruppe wurde von Pakistan und den USA finanziell und materiell unterstützt.
Zur damaligen Zeit gehörten Plünderungen, Vergewaltigungen und Chaos zur Tagesordnung. Die Bevölkerung Afghanistans sehnte sich nach Ruhe und Stabilität und unterstützte deshalb anfänglich die Taliban. Diese sorgten unter strenger Einhaltung des religiösen Gesetzes des Islams für Ordnung.
Bereits 1996 nahmen die Taliban die Hauptstadt Kabul ein und mit ihrer Machtübernahme begann in Afghanistan für die Bevölkerung ein Schreckensregime. Das Land geriet international ins Abseits, Handel und Wirtschaft kamen zum Erliegen, und die Bevölkerung litt unter Hunger und Krankheit.
Die Taliban sind zu etwa Dreiviertel daran schuld, dass die Zahl der verletzten oder getöteten Zivilisten wieder stark angestiegen ist.

Die Hazara gehören zu denjenigen, die in ihrem eigenen Heimatland am meisten verfolgt werden. Sie sind die Urbevölkerung Afghanistans und werden seit über 100 Jahren systematisch ermordet, versklavt, gefoltert, vergewaltigt und schikaniert. Mehrere Millionen Hazara leben in Afghanistan und werden von der afghanischen Regierung und der Taliban unterdrückt und getötet.
In ihrem Heimatland haben sie praktisch keine Rechte und leben täglich in Angst. Deswegen wandern Millionen Hazara aus ihrem Heimatland aus.

Der Flüchtling, den wir kennenlernen durften, ist einer von vielen mit einem ähnlichen Schicksal. Für uns ist es schwer verständlich, wie Menschen zu solchen Taten fähig sind. Seine Geschichte hat uns einmal mehr aufgezeigt, dass ausserhalb „unserer“ Welt Dinge geschehen, die wir nicht einmal ansatzweise begreifen können, egal was wir vorgeben zu glauben.

Wir wünschen all denjenigen, die sich noch auf der weiten Reise befinden, viel Glück und Kraft.
Alles Liebe,

 

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Beitragsbild von: http://www.taz.de
Quellen:
http://www.planet-wissen.de/kultur/naher_und_mittlerer_osten/afghanistan/index.html  
http://www.hazara-online.com/de/2013/Offener-Brief-an-die-Regierung-der-Bundes-Republik-Deutschland.html
Luft, Die Flüchtlingskrise. Ursachen, Konflikte, Folgen, 2016

 

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